PROJEKTEINBLICK ·
Ein Coach, der meine Würfe kennt
Nach dem Training stehe ich oft noch einen Moment vor dem Board und frage mich, wie es eigentlich war. Die Zahlen hat die App längst. Was fehlte, war jemand, der sie für mich liest. Kein Chatbot, kein Motivationstrainer, sondern eine kurze, ehrliche Einschätzung: Was lief gut, was nicht, und was übe ich als Nächstes?

Die Idee war ein Coach, der nach jeder Session ein paar Sätze schreibt. Grundlage sind die Daten, die die App ohnehin hat: die gespielte Trainingsform, die Trefferquote, die Doppelquote und der Vergleich mit meinem eigenen Schnitt.
Durch das Projekt "Joris" wusste ich bereits, wie ich Sprachmodelle einbinden konnte. Diese Erfahrung kam mir jetzt zugute: Die technische Anbindung war schnell erledigt. So konnte ich mich darauf konzentrieren, was der Coach aus meinen Trainingsdaten machen sollte und welche Rückmeldungen mir am Board wirklich helfen würden.
Zum Projekt Joris JORISFür den Coach suchte ich nach einer günstigeren Alternative zur Claude-API und stieß dabei auf Ollama Cloud. Gemma erwies sich für diesen Zweck als völlig ausreichend: Trainingsdaten auswerten und daraus eine hilfreiche Rückmeldung formulieren. Modell und Serveradresse lassen sich in den Einstellungen ändern. So kann der Coach auch eine lokale Ollama-Installation nutzen, ohne dass ich dafür den Code anpassen muss.
Ohne eingerichteten Coach funktioniert die App trotzdem vollständig. Die Coach-Karte erscheint dann einfach nicht.
Kein „Hey Champion!“
Die größte Herausforderung war nicht die Technik, sondern der Ton. Sprachmodelle neigen zu Floskeln. „Stark!“, „Spitze!“, „Hey Champion!“ klingen freundlich, sagen aber nichts. Und nach einem schwachen Abend will ich kein „Weiter so“ lesen.
Deshalb bekam der Coach klare Regeln:
- Du-Form, locker, ehrlich und knapp: drei bis fünf Sätze
- keine Motivationsfloskeln
- bei schwacher Leistung immer mindestens ein konkreter Hinweis
Regeln im Prompt allein reichen bei einem Sprachmodell nicht. Deshalb prüft die App jede Antwort. Taucht eine der typischen Floskeln auf, wird die Auswertung einmal mit verschärften Anweisungen neu erzeugt. Zu lange Antworten werden ebenfalls abgefangen.
Material zum Beißen
Die ersten Auswertungen waren noch sehr allgemein. Mit fünf nackten Zahlen kann auch ein gutes Modell wenig anfangen. Also habe ich dem Coach mehr Kontext mitgegeben: eine kurze Beschreibung der Trainingsform, ob ich allein oder in der Gruppe gespielt habe, ob die Session vollständig war, den Vergleich mit meinem Schnitt der letzten 14 Tage und die drei Ziele, die ich am häufigsten verfehlt habe.
Aus „Deine Doppelquote war heute niedrig“ kann so eine Aussage über ein bestimmtes Doppel werden, das mir an diesem Abend nur einmal in vier Versuchen gelungen ist.
Besonders hilfreich wurde der Coach durch den Trainingskontext. Er konnte mehrere Sessions zusammen betrachten und dadurch viel passendere Rückmeldungen geben. Sinngemäß etwa: „Die Doppel 10 macht dir seit einer Woche Schwierigkeiten. Ein gezieltes Doppeltraining wäre eine sinnvolle nächste Einheit.“ So wurde aus einer Auswertung ein konkreter Vorschlag für die nächste Einheit.
Um verschiedene Modelle zu vergleichen, gibt es in den Einstellungen eine Live-Vorschau. Sie schickt eine vorbereitete Beispiel-Session an das eingestellte Modell und zeigt die Antwort samt Antwortzeit. So kann ich ausprobieren, wie ein Modell klingt, ohne erst ein Training spielen zu müssen.
Vorlesen, aber nur auf Wunsch in die Cloud
Eine Auswertung zu lesen ist gut. Sie gesagt zu bekommen, während ich die Pfeile aus dem Board ziehe, ist besser. Deshalb kann der Coach seine Auswertung vorlesen.
Standardmäßig nutzt die App dafür die Stimmen, die im Betriebssystem ohnehin vorhanden sind. Der Text bleibt dabei auf dem Gerät. Wer eine natürlichere Stimme möchte, kann ElevenLabs als Cloud-Dienst einschalten. Das passiert aber nur ausdrücklich in den Einstellungen, niemals automatisch.
Der Plan bleibt meiner
Der Coach kann nicht nur auswerten, sondern auch Änderungen am Trainingsplan vorschlagen. Etwa einen Tag mit High Score gegen die Doppel-Schule zu tauschen, wenn meine Doppel gerade schwächeln.
Dabei galt eine feste Regel: Der Coach schlägt vor, ich entscheide. Keine Planänderung wird automatisch übernommen, egal wie überzeugt der Vorschlag klingt. Auf der Planseite sehe ich, was sich ändern würde und warum, und kann übernehmen oder verwerfen.

Der Coach schlägt vor, ich entscheide.
Zusätzlich blickt die App über längere Zeiträume auf mein Spiel und formuliert Beobachtungen im Profil. Solche Muster würde ich in den einzelnen Zahlen oft selbst gar nicht bemerken.
Wo der Coach bewusst aufhört
Der Coach bewertet Trainingsformen, keine Spiele wie 501 oder Cricket. Dafür bräuchte er einen ganz anderen Blick auf Checkouts, Gegner und Spielstände. Er ist auch kein Chat. Ich kann ihm keine Fragen stellen, und er ruft mir während einer Aufnahme nichts zu. Kurze Nachfragen nach einer Auswertung habe ich mir als Idee für später notiert.
Mit dem Coach war das Training vollständiger geworden. Allerdings trainiere ich nicht nur. Irgendwann will man auch einfach ein Spiel spielen, am liebsten gegen jemanden. Und manchmal ist gerade niemand da.






