PROJEKTEINBLICK ·

Ich wollte nicht nur zählen, ich wollte besser werden

Apps, die beim Darts die Punkte zählen, gibt es genug. Was mir fehlte, war etwas anderes: ein Ort, der mir zeigt, ob ich wirklich besser werde. Anfang Mai 2026 habe ich angefangen, mir diesen Ort selbst zu bauen. Ich nannte ihn Dartbude.

KONZEPT · UMSETZUNGOliver Röschner
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BEREICHTECHNOLOGIE
Drei Dartpfeile und ein Notizbuch mit Trainingsskizze auf einem Holztisch; im Hintergrund eine Dartscheibe.
KI GENERIERTES ARTIKELBILD | OPERUS

Ich bin Dartspieler. Und ich habe lange nach einer Software gesucht, die mein Training wirklich ernst nimmt.

Für den Dartsport gibt es etablierte Werkzeuge. Manche verwalten Ligen, andere zählen Punkte im Spiel mit. Beides hat seinen Platz. Aber wenn ich allein am Board stand und üben wollte, halfen sie mir nur begrenzt weiter.

Ein Scorer oder ein Dartautomat sagt mir, wie viele Punkte noch fehlen. Was ich daraus nicht erfahre: Sitzen meine Doppel heute besser als vor drei Wochen? Wo verliere ich die meisten Punkte? Und welche Übung würde mir helfen, genau daran zu arbeiten?

In anderen Sportarten gibt es genau das. Läufer haben Strava, im Krafttraining gibt es Hevy, und Schachspieler trainieren mit Chess.com. Solche Apps begleiten das Üben über Wochen und Monate. Für Darts fehlte mir so etwas.

Dazu kam die Lust, wieder etwas Eigenes zu bauen. Eine App, bei der ich selbst entscheiden kann, was sie können soll — und die genau zu meinem Training passt. Natürlich war da auch dieser Ehrgeiz: Kann ich das vielleicht besser lösen? Und wie weit komme ich damit? Könnte ich sogar die Pfeile automatisch zählen lassen?

Wenn es die Software, die du dir wünschst, nicht gibt, dann bau sie selbst.

Professionelle Software und Systeme wie Autodarts gab es längst. Bei mir stand allerdings schon ein Löwendart HB8 im Keller, und für ein weiteres Board war schlicht kein Platz. Also überlegte ich zunächst, mit einem ESP32 die Treffer direkt an der Matrix des Automaten abzugreifen. Die Kamera hätte ich dafür gar nicht gebraucht.

Die Idee reizte mich. Aber je länger ich darüber nachdachte, desto weniger wollte ich die Anwendung an meinen eigenen Automaten binden. Vielleicht würde daraus etwas, das ich später auch anderen Dartspielern kostenlos zur Verfügung stellen könnte. Und dafür sollte niemand einen HB8 im Keller brauchen.

Die direkte Anbindung des Automaten konnte warten. Zuerst wollte ich eine Trainings-App bauen, die auch unabhängig von meinem HB8 funktioniert. Die Kamera blieb dabei eine Idee für später.

Eine Bude, die mir gehört

Der Name war mir wichtig. Eine Bude ist persönlich und ein bisschen gemütlich, und sie gehört einem selbst. So sollte sich auch die App anfühlen: nicht wie Verbandssoftware, sondern wie der Ort, an dem man abends ein paar Pfeile wirft und dabei besser wird.

Drei Dartpfeile und ein Notizbuch mit Trainingsskizze auf einem Holztisch; im Hintergrund eine Dartscheibe.
KI-generierte Illustration. Aus dem Wunsch, gezielter zu trainieren, entsteht die Idee zur eigenen App. Oberflächen sind illustrative Ansichten.
Dazu passte auch die Adresse. dartbu.de liest sich einfach als „Dartbude“.

Aus dem Bild der Bude ergab sich noch etwas ganz Praktisches. Dart-Boards hängen oft im Keller, in der Garage oder in einem Hinterzimmer. Dort ist das WLAN nicht immer zuverlässig. Eine Trainings-App, die ohne Verbindung nicht weiterweiß, wäre in genau diesen Räumen gescheitert. Deshalb sollte die Dartbude von Anfang an auch offline funktionieren.

Was sie bewusst nicht sein sollte

Genauso wichtig wie die Frage, was die App können sollte, war die Frage, was sie nicht können musste. Die Liste dazu habe ich schon früh festgehalten:

  • keine Liga- oder Vereinsverwaltung
  • kein Wettkampf-Tracker für Turniere
  • kein Online-Spiel gegen Spieler an anderen Orten
  • keine Anbindung an elektronische Boards zum Start
  • keine Werbung, keine Abos, keine Premium-Funktionen

Diese Punkte habe ich nicht vergessen. Ich habe sie bewusst ausgeschlossen. Jeder davon hätte ein eigenes Projekt werden können. Ich wollte mich aber zuerst auf den Kern konzentrieren: allein oder mit Freunden am selben Board trainieren, besser werden und dranbleiben.

So sollte die Dartbude zusammenspielen

Schon bevor die erste Zeile Code entstand, hatte ich ein Bild davon, wie die App im Alltag benutzt werden sollte:

Gerät oder UmgebungRolle
Smartphone in der TascheProfil, Trainingsplan und bisherige Sessions ansehen
Tablet neben dem BoardAktuelles Ziel, Punktestand und Reihenfolge groß anzeigen — aus zwei bis drei Metern lesbar
Smartphone auf dem StativSpäter einmal die Würfe per Kamera erkennen
Windows-PC, Mac oder Docker-ContainerDas Backend betreiben: Hier laufen die Daten und Funktionen der Dartbude zusammen. Aufgerufen wird die App über den Browser am Smartphone oder Tablet.

Das Tablet an der Wand war für mich der wichtigste Teil. Ich werfe, und der Bildschirm neben dem Board zeigt mir sofort, was als Nächstes dran ist. Die Kamera auf dem Stativ war zu diesem Zeitpunkt noch eine ferne Idee. Sie sollte mich später deutlich länger beschäftigen, als ich damals ahnte.

Technisch entschied ich mich für eine Web-App, die sich wie eine App installieren lässt, eine sogenannte PWA. So läuft dieselbe Anwendung auf Smartphone und Tablet, ohne dass ich zwei getrennte Apps für iOS und Android bauen muss.

Die Dartbude läuft auf einem Rechner im eigenen Netz. Smartphone und Tablet öffnen die Oberfläche im Browser; eine eigene Installation auf jedem Gerät ist nicht nötig.

Ein Plan in Etappen

Ich wollte nicht alles auf einmal bauen. Deshalb teilte ich das Projekt in Phasen, von denen jede für sich nutzbar sein sollte:

Der Plan für die Dartbude
PhaseZiel
1 · TrainerKlassische Trainingsformen, Punkteeingabe, Verlauf und einfache Statistiken
2 · Smart StatsHeatmaps, Trends, Rekorde und Trainingspläne
3 · CoachAuswertungen und Empfehlungen nach dem Training
4 · Bude-CamAutomatische Wurferkennung per Kamera
5 · Spielmodus501, 301 und Cricket als Trainingsspiel
6 · CommunityChallenges und Vergleiche, irgendwann später

Die erste Phase habe ich noch einmal in acht kleine Etappen zerlegt. Für einige davon habe ich mir einen besonderen Moment notiert: das erste Mal „ich kann's nutzen“, das Tablet sichtbar an der Wand, die Statistiken, die zum Wiederkommen motivieren, und schließlich eine vollständige erste Version.

Die allererste Trainingsform war Around the Clock. Schon dabei steckte mehr Detail drin, als man zunächst denkt. Die App musste wissen, dass die Ziele in der echten Reihenfolge auf dem Board aufeinanderfolgen: 20, 1, 18, 4 und so weiter bis zum Bull.

Produkt-Screenshot aus einer Vorführumgebung. Profile und Sitzungen sind Demodaten; der sichtbare Offline-Sync kann ohne verbundenes Backend nicht abgeschlossen werden. — Dartbude

Nicht allein gebaut

Entwickelt habe ich die Dartbude mit Hilfe von Visual Studio Code. Claude und Codex waren als weitere Werkzeuge dabei — um Ideen durchzuspielen, Code zu schreiben und Lösungen zu hinterfragen.

Dass ich Claude und Codex parallel nutzen konnte, hat für mich hervorragend funktioniert. Im Laufe der Entwicklung merkte ich, dass mir Codex bei manchen Aufgaben besser weiterhalf und Claude bei anderen. Welches Werkzeug ich lieber nutzte, hing deshalb von der konkreten Aufgabe ab.

Beide haben mir geholfen, deutlich schneller voranzukommen, als ich es allein geschafft hätte. Die Ideen, die Entscheidungen, was die App sein soll und was nicht, und das Testen am echten Board blieben meine Aufgabe.

Der Anfang meiner Bude

Schon wenige Tage nach dem Start stand das Grundgerüst: ein Backend, eine Oberfläche, eine Datenbank und die erste Trainingsform. Das war noch lange keine fertige Trainings-App. Aber die Richtung war klar.

Diese Serie erzählt, wie daraus nach und nach die Dartbude wurde. Dazu gehören die Statistiken, der Coach, die Spiele gegen einen Bot, die Kamera am Board und eine Website, auf der sich die ersten Interessierten schon für den Vorabzugang angemeldet haben. Und auch die Fehler, die ich unterwegs gefunden habe, bevor jemand anderes sie finden konnte.

Zunächst wollte ich aber etwas ganz Einfaches: mich vor das Board stellen, werfen und sehen, wie das Tablet neben mir mitzählt. Auch wenn ich die Treffer anfangs noch selbst in der App am PC oder Mac eingeben musste.

Teil 2: Das Tablet an der WandWeiterlesen in der Dartbude-Serie. DARTBUDE