PROJEKTEINBLICK ·

Das Tablet an der Wand

Eine Trainings-App muss sich zuerst am Board bewähren. Solange ich zum Eintragen jedes Wurfs erst zum Laptop laufen musste, war die schönste Statistik wertlos. Deshalb ging es zuerst um eine einfache Frage: Kann ich am Board trainieren, die Treffer schnell eingeben und auf dem Tablet direkt sehen, was als Nächstes dran ist?

KONZEPT · UMSETZUNGOliver Röschner
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BEREICHTECHNOLOGIE
Dartscheibe mit zwei Pfeilen und Wand-Tablet mit großer Anzeige 8, 12 und offenem dritten Wurf; das Smartphone dient zur Eingabe.
KI GENERIERTES ARTIKELBILD | OPERUS

Den ersten Meilenstein hatte ich mir genau so notiert: das erste Mal, an dem ich die App wirklich benutzen konnte. Dafür brauchte es gar nicht viel. Einen Spieler anlegen, Around the Clock auswählen und die Würfe eingeben.

Die Eingabe war bewusst schlicht. Eine Zahl antippen, dazu Single, Double oder Triple, nach drei Pfeilen die Aufnahme speichern. Die App wusste, welches Feld als Nächstes dran war, und merkte, wann ich beim Bull angekommen war.

Schnell kamen kleine Erleichterungen dazu. Nach jeder gespeicherten Aufnahme erscheint eine kurze Bestätigung, damit ich nicht zweifeln muss, ob der Tipp angekommen ist. Wer mit Tastatur trainiert, kann Zahlen und Ringe über Tastenkürzel eingeben. Und statt Zahlen anzutippen, lässt sich der Treffer auch direkt auf einer Dartscheibe anklicken.

Groß genug für drei Meter

Das Herzstück war für mich von Anfang an das Tablet neben dem Board. Es sollte zeigen, was gerade dran ist, und zwar so groß, dass ich es aus zwei bis drei Metern lesen kann.

Dartscheibe mit zwei Pfeilen und Wand-Tablet mit großer Anzeige 8, 12 und offenem dritten Wurf; das Smartphone dient zur Eingabe.
KI-generierte Illustration. Das Smartphone nimmt die Eingabe auf, das Tablet zeigt das nächste Ziel. Oberflächen sind illustrative Ansichten.

Dafür bekam die App einen eigenen Board-Modus. Das Tablet läuft im Querformat, der Bildschirm geht nicht in den Standby, und bedient wird dort nichts. Die Eingabe kommt von einem zweiten Gerät, zum Beispiel vom Smartphone in der Hand. Das Tablet zeigt nur an.

Zwei Geräte, eine Session
GerätAufgabe
Smartphone oder LaptopWürfe eingeben, Session steuern
Tablet an der WandZiel, letzte Aufnahme, Punktestand und Reihenfolge groß anzeigen

Eine Zahl reichte nicht

Anfangs zeigte das Tablet das aktuelle Ziel als große Zahl und darunter die letzten Würfe als Liste. Das funktionierte, wirkte aber noch ziemlich nüchtern. Gerade die Anzeige, auf die ich beim Training ständig schaute, durfte ruhig etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Auf dem Tablet sah ich zwar das Ziel und meine letzten Würfe, aber keine Dartscheibe, auf der ich sie einordnen konnte.

Also bekam das Tablet ein richtiges Dartboard. Zwanzig Segmente in der echten Reihenfolge, Doppel- und Triple-Ring, Bull und Bullseye, dazu die typischen Turnierfarben. Nach jeder Aufnahme leuchten die getroffenen Felder kurz auf. Das aktuelle Ziel pulsiert dezent im Hintergrund.

Die erste Trefferfarbe war ein blasses Rosa. Am Wand-Tablet war das kaum zu erkennen, noch am selben Tag habe ich auf Cyan gewechselt. Solche Dinge merkt man erst, wenn man wirklich einige Meter entfernt steht.

Ich nahm mein altes iPad und stellte es auf den Tisch neben dem Dartautomaten. Dann ging ich zurück ans Oche und prüfte, ob ich die Anzeige von dort noch gut erkennen konnte. Auf dem Bildschirm konnte vieles gut aussehen — entscheidend war, ob es sich beim Werfen richtig anfühlte.

Zehn Trainingsformen statt einer

Around the Clock war nur der Anfang. Nach und nach kamen die klassischen Trainingsformen hinzu, die viele Dartspieler kennen:

  • Bob's 27: Doppel der Reihe nach, mit Punktabzug bei jeder verfehlten Runde
  • Doppel-Schule: alle Doppel systematisch üben
  • Big Six: eine Doppel-Kette mit drei Leben
  • Halve It: ohne Treffer halbiert sich der Punktestand
  • Shanghai: Single, Double und Triple derselben Zahl in einer Aufnahme beenden das Spiel sofort
  • High Score: neun Pfeile, möglichst viele Punkte
  • Finish-Schule und Combo-Finish: Checkout-Wege üben, mit Lösungsvorschlag
  • Killer: das erste Spiel, das nur mit mehreren Spielern funktioniert

Jede Trainingsform bringt eigene Regeln mit. Genau dort steckten auch die ersten Fehler. Bei Around the Clock wurde ein Treffer intern nie als Treffer gewertet. Im Board-Modus stand bei einem Doppel nur „20“ statt „D20“. Anschließend habe ich die Regeln aller Trainingsformen noch einmal gezielt durchgesehen und korrigiert.

Auch später änderte sich noch etwas. Die Doppel-Schule stellte ich auf eine feste Anzahl Pfeile pro Doppel um.

Wenn mehrere am Board stehen

Gruppentraining gehörte von Anfang an zum Kern. Bis zu acht Spieler werfen reihum, und das Tablet zeigt, wer gerade dran ist und wer als Nächstes kommt. Jeder hat seine eigenen Werte, auch wenn alle in derselben Session spielen.

Killer war dafür der Härtetest. Zuerst bekommt jeder Spieler seine eigene Zahl, dann muss er sein Doppel treffen, um zum Killer zu werden. Danach geht es darum, den anderen Leben abzunehmen. Wer als Letzter übrig bleibt, gewinnt, und die App feiert ihn mit Sieger-Banner und Konfetti.

Das erste richtige Spiel fühlte sich richtig gut an. Wir konnten ein komplettes Training durchspielen, und am Ende stand ein Sieger fest. Für mich war das der nächste Meilenstein: Die App funktionierte jetzt vom ersten Wurf bis zum Ergebnis.

Mehr als ein Zähler

Nach diesen ersten Tagen hatte die Dartbude etwas, das ich jeden Abend benutzen konnte. Ich warf, das Tablet an der Wand zeigte mir die Treffer, und die App führte mich durch die Übung.

Damit war sie aber immer noch in erster Linie ein Zähler mit schöner Anzeige. Das eigentliche Versprechen stand noch aus: sehen, ob ich besser werde. Dafür musste die App anfangen, aus meinen Würfen etwas herauszulesen.

Teil 3: Die Zahlen hinter meinen WürfenWeiterlesen in der Dartbude-Serie. DARTBUDE