PROJEKTEINBLICK ·

Seit mehr als zehn Jahren scanne ich meine Post

Seit mehr als zehn Jahren scanne ich fast jeden Brief. Heute stelle ich meinem Archiv eine Frage und bekomme die Antwort samt Beleg.

KONZEPT · UMSETZUNGOliver Röschner
LESEZEIT4 Minuten
BEREICHTECHNOLOGIE
Gealterte und neue Dokumentstapel führen über Scanner und NAS zu einer belegten Antwort auf dem Bildschirm.
KI GENERIERTES ARTIKELBILD | OPERUS

Wie hoch ist eigentlich die Selbstbeteiligung bei meiner Hausratversicherung? Die Antwort steht in einem Brief, den ich vor Jahren eingescannt und seitdem nicht mehr geöffnet habe. Früher hätte ich jetzt überlegt: Liegt er unter Versicherungen, unter dem Jahr des Vertragsabschlusses oder bei den Unterlagen zum Haus? Heute tippe ich die Frage so ein, wie ich sie gerade gedacht habe.

Nach ein bis zwei Sekunden steht der Betrag da. Darunter der Versicherungsschein, aus dem er stammt, und die Seite, auf der er steht. Ein Klick, und ich sehe das Original.

Dass das so unspektakulär aussieht, ist das Ergebnis eines langen Weges. Diese Serie erzählt ihn.

Aus Papier wurde ein digitales Gedächtnis

Seit mehr als zehn Jahren scanne ich nahezu jeden Brief, der mich erreicht: Rechnungen, Verträge, Schreiben von Versicherungen, Handwerkern und Behörden.

Angefangen hat das aus einem praktischen Grund. Papier braucht Platz und ist nie dort, wo man es gerade braucht. Eine Datei kann ich sichern, kopieren und auf meinem eigenen Speicher ablegen.

Über die Jahre ist daraus aber mehr geworden als ein Ordner mit PDFs. In diesem Archiv steckt, welche Verträge ich habe, was eine Versicherung abdeckt, was eine Reparatur gekostet hat und wann sich ein Beitrag geändert hat. Es ist eine Art persönliches Gedächtnis. Nur war es eines, an das ich schlecht herankam.

Ordner bilden Entscheidungen von gestern ab

Meine Ablage ist nicht chaotisch. Sie ist halbwegs aufgeräumt und hilft mir, einen Bereich einzugrenzen. Trotzdem hat sie eine Grenze, die keine Ordnerstruktur überwinden kann.

Beim Ablegen entscheide ich mich für genau einen Ort. Ein Versicherungsschreiben könnte unter dem Jahr, der Versicherung, dem Haus oder dem Vertrag liegen. Alles wäre nachvollziehbar, aber der Ordner kann nur eines davon sein.

Jahre später erinnere ich mich an etwas ganz anderes. Ich weiß noch, worum es ging, aber nicht mehr, wann der Brief kam. Oder ich suche gar nicht das Dokument, sondern nur einen Betrag auf Seite drei.

Die Ablage ist in diesem Moment nicht falsch. Sie spricht nur eine andere Sprache als meine Erinnerung.

Ich suchte nicht nach einer PDF. Ich suchte nach der Information, die in ihr steckte.

Was man beim Suchen eigentlich tut

Wer ein Papierarchiv digitalisiert hat, kennt den Ablauf:

  • einen wahrscheinlichen Ordner auswählen;
  • Dateinamen überfliegen;
  • mehrere PDFs öffnen;
  • im Dokument nach einem Begriff suchen;
  • feststellen, dass der Scan gar keinen Text enthält;
  • zurückgehen und den nächsten Kandidaten öffnen;
  • einen Betrag mit einem anderen Brief vergleichen.

Bei einem einzelnen Dokument ist das erträglich. Bei einem Archiv aus mehr als zehn Jahren wiederholt es sich ständig. An diesem Punkt wollte ich nicht besser sortieren, sondern anders suchen.

Ich wollte Antworten, keine Dateien

Die Fragen, die ich an mein Archiv habe, beginnen nie mit einem Dateinamen:

  • Wie hoch ist die Selbstbeteiligung meiner Hausratversicherung?
  • Bis wann kann ich einen Vertrag kündigen?
  • Was hat mich eine Sanierung insgesamt gekostet?
  • Wie viel teurer war die Rechnung als das Angebot?
  • Was hat sich im neuen Vertrag gegenüber dem alten geändert?

Manche davon beantwortet ein einzelner Satz in einem einzelnen Brief. Andere brauchen mehrere Dokumente, eine vollständige Summe oder einen sauberen Vergleich. Genau daraus entstand Operus Search.

Was dafür nötig war

Schon am Anfang war klar, dass eine bessere Dateisuche nicht reichen würde:

AufgabeWarum sie wichtig ist
Briefe lesenEin Scan ist zunächst nur ein Bild ohne Text.
Inhalte durchsuchbar machenDie Suche muss im Dokument stattfinden, nicht im Dateinamen.
Bedeutung erkennenMeine Frage verwendet selten dieselben Wörter wie der Brief.
Quellen zeigenEine Antwort muss auf meinen echten Unterlagen beruhen.
Richtig rechnenSummen und Differenzen dürfen nicht geschätzt werden.
Privat bleibenDiese Briefe gehören nicht in eine fremde Cloud.

Künstliche Intelligenz ist in dieser Liste nur ein Baustein unter mehreren – und nicht der erste. Bevor ein Sprachmodell eine Frage beantworten kann, muss das Archiv lesbar, durchsuchbar und verlässlich sein.

Die folgenden Teile erzählen deshalb keine Funktionsliste. Sie erzählen, welche Hürden zwischen einem Ordner voller Scans und dieser einen Antwort lagen: schlecht lesbare Briefe, deutsche Wortformen, ein NAS, das auch einmal nicht erreichbar ist, und die Frage, welche Aufgaben ein Sprachmodell besser gerade nicht übernehmen sollte.

Die erste Entscheidung fiel aber, bevor eine einzige Zeile Suchcode existierte. Es ging darum, wo meine Briefe bleiben.

Teil 2: Meine Dokumente sollten bei mir bleibenWeiterlesen in der Operus-Search-Serie. OPERUS SEARCH