PROJEKTEINBLICK ·

Jetzt blieb die Antwort sichtbar

Die Webanwendung gab meinem Assistenten ein Gesicht. Damit konnte ich Informationen anders darstellen als bisher. Wetter, Uhrzeit und Zustände mussten nicht mehr nur als Text durch die Konsole laufen oder kurz in einer gesprochenen Antwort vorkommen. Sie konnten einen eigenen Platz bekommen.

KONZEPT · UMSETZUNGOliver Röschner
LESEZEIT4 Minuten
BEREICHTECHNOLOGIE
Ein dunkler Arbeitsplatz mit einem Monitor voller modularer, warmer Informationskarten
KI GENERIERTES ARTIKELBILD | OPERUS

Wenn mein Assistent mir etwas sagte, war die Antwort nach dem Sprechen erst einmal vorbei. Im Gesprächsverlauf konnte ich sie wiederfinden. Für Informationen, auf die ich zwischendurch schauen wollte, war das aber nicht immer die passende Darstellung.

Das Wetter ist ein gutes Beispiel. Ich konnte danach fragen und eine Antwort bekommen. Mit einer Oberfläche vor mir lag es nahe, diese Information zusätzlich sichtbar zu halten. Ähnlich war es mit der Uhrzeit oder dem Zustand des Systems.

Ein lokaler Kleinrechner neben einer Wetterstation vor einem regennassen Fenster
KI-generierte Illustration. Wetter und Systemzustand werden sichtbar, ohne jedes Mal danach fragen zu müssen.

So kamen die ersten Widgets dazu. Kleine Bereiche, die eine bestimmte Information zeigten, während ich mit dem Assistenten weiterarbeiten konnte.

Eine Fähigkeit, zwei Darstellungen

Dabei wollte ich die Trennung beibehalten, die mir schon beim Wechsel zur Webanwendung geholfen hatte. Ein Wetter-Widget sollte nicht eine zweite, unabhängige Wetterfunktion werden.

Die Datenbeschaffung gehörte weiterhin in den zuständigen Teil der Anwendung. Die Oberfläche sollte die Ergebnisse anzeigen. Damit konnte dieselbe fachliche Grundlage sowohl für eine gesprochene Antwort als auch für eine sichtbare Darstellung genutzt werden.

Das Widget gab einer vorhandenen Fähigkeit einen sichtbaren Platz.

Für die Bedienung gab es passende Befehle zum Öffnen und Schließen. Über den Widget-Skill konnte ein erkanntes Anliegen an die Oberfläche weitergegeben werden. Die Anwendung meldete, welche Fläche erscheinen oder verschwinden sollte; die Darstellung erledigte der Browser.

Das passte gut zu dem, was ich bis dahin aufgebaut hatte. Sprache und Oberfläche mussten sich nicht gegenseitig ersetzen. Ich konnte etwas sagen und das Ergebnis anschließend sehen.

Die Oberfläche wuchs mit den Fähigkeiten

Mit den Widgets bekam die Modularität auch eine sichtbare Form. Jede Fläche konnte sich auf eine bestimmte Aufgabe konzentrieren. Ich musste nicht jede Information in den Chatverlauf drücken und dort zwischen anderen Antworten wiederfinden.

Zwei Formen derselben Information
Im GesprächIm Widget
Eine Frage stellen und eine Antwort hörenInformationen bei Bedarf erneut ansehen
Einen Auftrag formulierenDen zugehörigen Zustand sichtbar halten
Nach einer Information fragenDie vorhandenen Daten übersichtlich darstellen

Die Trennung aus dem Backend setzte sich damit im Frontend fort. Aus einzelnen sichtbaren Bereichen konnte nach und nach eine Oberfläche entstehen, die zu meinem Assistenten passte.

Was sichtbar bleibt, muss auch stimmen

Ein Widget brachte allerdings eine neue Verantwortung mit. Eine gesprochene Antwort gehört zu einem bestimmten Moment. Eine Information auf dem Bildschirm bleibt dort stehen und kann später immer noch aktuell aussehen.

Deshalb musste ich mich damit beschäftigen, was die Oberfläche über ihren Zustand mitteilte. Wartete sie gerade auf Daten? War eine Anfrage fehlgeschlagen? Oder war die Verbindung zur Anwendung unterbrochen?

  • Laden musste als Warten erkennbar sein.
  • Ein Fehler durfte nicht wie eine erfolgreiche Aktualisierung aussehen.
  • Nach einer Verbindungsunterbrechung brauchte die Oberfläche wieder einen nachvollziehbaren Zustand.
  • Das Öffnen und Schließen einer Fläche musste zu ihrer tatsächlichen Sichtbarkeit passen.

Hier begegnete mir die Frage aus den vorherigen Teilen in einer anderen Form wieder: Stimmt das, was mein Assistent vermittelt, mit dem überein, was tatsächlich passiert?

Im Frontend bekamen Zustände und Ereignisse entsprechend ihren eigenen Platz. Eine Änderung konnte an die betroffenen Bereiche weitergegeben werden, statt jede sichtbare Fläche unabhängig vor sich hin arbeiten zu lassen.

Es wurde mein eigener Assistent

Neben diesen technischen Fragen machte die Gestaltung einen Unterschied. Jetzt konnte ich mit Flächen, Abständen, Farben und Bewegung arbeiten. Ich musste mir die Oberfläche nicht mehr nur vorstellen.

Die Widgets gaben mir kleine, überschaubare Bereiche, an denen ich weiterarbeiten konnte. Das passte zu meiner Art, das Projekt zu entwickeln: eine Idee ausprobieren, ansehen, verändern und erst dann entscheiden, ob sie bleiben sollte.

Dabei blieb mir wichtig, dass die Gestaltung an echte Vorgänge gebunden war. Ein schöner Ladeeffekt allein machte noch keine laufende Anfrage. Eine sichtbare Information musste weiterhin aus der Anwendung kommen.

Mein Assistent war damit nicht einfach nur dieselbe Konsole in einem Browserfenster. Seine Fähigkeiten bekamen eine Darstellung, die ich neben dem Gespräch nutzen konnte. Informationen hatten jetzt einen Ort, an den ich zurückschauen konnte.

Für den nächsten Schritt reichte Sichtbarkeit allein allerdings nicht. Wenn etwas für später wichtig war, musste mein Assistent es auch behalten können. Eine Wetteranzeige und eine Erinnerung an eine Aufgabe sind schließlich zwei unterschiedliche Dinge.

Teil 8: Er sollte sich etwas merkenIm nächsten Teil geht es darum, was mein Assistent sich merken sollte: Gesprächskontext, Erinnerungen und den Weg zu einem persönlichen Briefing. JORIS